Histologiekurs Departement Pathologie der Universität Zürich Histokurs

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VORGEHEN BEI TUMOREN
 
 
Tumordiagnostik

Das diagnostische Vorgehen bei der morphologischen Diagnose von Tumoren besteht prinzipiell immer in einer systematischen Suche und Beurteilung der nachstehend aufgeführten Kriterien. Klinische, laborchemische und röntgenologische Untersuchungen resultieren häufig in der Lokalisation und einer ungefähren Grössenbestimmung eines Knotens bzw. Tumors. Die präzise Diagnose des Tumors - seiner Morphologie, seines Differenzierungsgrades, seiner Dignität - muss am zytologischen Ausstrich (Feinnadelpunktion), am Schnellschnitt (Gefrierschnitt), am Paraffinschnitt (Nadelbiopsie, chir. Biopsie) und/oder am Operationspräparat gestellt werden. Die Synthese sämtlicher Befunde bildet die Grundlage der zu planenden Therapie.
 

Kriterien der histopathologischen Tumordiagnostik

Voraussetzung
Sie stellen bei einer Veränderung eine "Schwellung", eine Neubildung von Gewebe fest und kommen differentialdiagnostisch zum Schluss, dass es sich bei der zu beurteilenden Veränderung um einen Tumor handelt (siehe "3. Systematisches Vorgehen beim Studium mikroskopischer Präparate", Differentialdiagnose, Artdiagnose). Sie versuchen nun, die Diagnose eines Tumors zu sichern und den Tumor möglichst genau zu charakterisieren.
 

STUFEN BEURTEILUNG
 

 

Makroskopische Kriterien

- Knoten ("Neoplasie" = vermehrtes neu gebildetes Gewebe)
- Lokalisation
- Grösse
- Konsistenz
- Kapsel +/-
- Verwachsung mit dem umgebenden Gewebe und/oder Einwachsen (Invasion)
- Schnittfläche
- homogen/inhomogen
- Nekrosen
- Begrenzung
- scharf
- unscharf (Infiltration, Kapseleinbruch)
- Unterscheide:
- Infiltration ohne Destruktion (z.B. Hämangiom)
- Infiltration mit Destruktion = Invasion
 

Histologische Kriterien

- Übersetzung der zweidimensionalen Schnittform in die dreidimensionale Form (Rundherd/Knoten)
 

Lupe - Invasion und Destruktion des umgebenden Parenchyms durch den Tumor
- Kapsel +/-
- Kapsel intakt/durchbrochen
 
Schwache bis mittlere Vergrösserung

- Atypie des Tumorgewebes (Anaplasie)
- Gewebsarchitektur einem Ihnen bekannten Gewebe ähnlich oder kein Vergleich mit Normalgewebe möglich
- Gewebe solid
- Drüsenschläuche typisch, regelmässig/atypisch, unregelmässig, "polymorph"
- Papillen
- Zellstränge
- Zellplatten
- Zellkolonien
- Keine erkennbare Anordnung
- Fasern regellos/gebündelt
- Nekrosen
- Stroma vorhanden/fehlend, breit/schmal
 

Zytologische Kriterien
 
 
Starke Vergrösserung

- Atypie der Tumorzellen (Anaplasie)
- Monomorphie/Polymorphie der Zellen
- Basophiles Zytoplasma
- Kern-Plasma-Relation (normal 1:6 - 1:4) zugunsten des Kernes verschoben (z.B. 1:1 oder 2:1)
- Monomorphie/Polymorphie der Kerne
- Hyperchromasie (Polyploidie/Aneuploidie)
- Grosse, teils multiple Nukleolen
- Mitosen
       -Zahl
       -typische/atypische Formen
- Reaktion des umgebenden Gewebes, Entzündung
 

Stärkste Kriterien für die histologische Diagnose eines malignen Tumors

1. Invasion und Destruktion des umgebenden Gewebes mit oder ohne Gefässinvasion

2. Anaplasie (Atypie, Dysplasie) des Tumorgewebes = mehr oder weniger deutliche Abweichung von bekanntem Normalgewebe
  3. Anaplasie (Atypie, Dysplasie) und Polymorphie (Pleomorphie) der Tumorzellen und -zellkerne
  4. Metastase: Ein metastasierender Tumor ist per definitionem maligne. Häufig ist aber nicht bekannt, ob ein Primärtumor bereits metastasiert hat. In dieser Situation ist man aus-schliesslich auf die Kriterien 1 - 3 angewiesen.
   
Die aufgeführten Kriterien müssen bei jedem Präparat systematisch beurteilt werden. Sie werden nicht bei jedem Präparat mit Tumorgewebe wieder aufgeführt.
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